Vom 15. bis 19. Mai 2010 machten sich 56 Pilger aus dem Bistum Münster und Osnabrück auf eine Flugreise nach Lourdes, von ihnen kamen 20 aus der St.-Otger-Gemeinde. Geistlicher Begleiter dieser Pilgerfahrt war Pfarrer Stefan Jürgens und die Reiseleitung hatte Ruth Tepasse von den Emmaus-Reisen aus Münster. Zur Eröffnung der Pilgerreise wurde ein Gottesdienst mit Pfarrer Jürgens in der St.-Martinus-Kirche in Greven gefeiert. Nach dem Reisesegen ging es zunächst zum Flughafen Münster-Osnabrück. Am Abend trafen alle in Lourdes ein und wurden mit dem Bustransfer zum Hotel Christina gefahren.
Lourdes ist ein Wallfahrtsort am Rande der Pyrenäen. Dort hatte Bernadette Soubirous 1858 in einer Grotte 18 Erscheinungen der Gottesmutter. Seit 150 Jahren ist diese Gotte der Anziehungspunkt vieler Menschen, besonders der Kranken und Behinderten aus verschiedenen Nationen. Eine blaue Linie durchquert die Stadt. Diese führt die Pilger zum „Heiligen Bezirk“. Rote Markierungen mit Behindertensymbolen weisen darauf hin, dass Rollstuhlfahrer auf diesen Wegen Vorrechte haben.
Drei Kirchen wurden hier auf den Felsen der Grotte gebaut: die Rosenkranzbasilika, die Krypta und Basilika der unbefleckten Empfängnis. Auch in der Grotte werden Gottesdienste in verschiedenen Sprachen gefeiert. Kranke, Behinderte und Gesunde kommen zur Grotte und berühren mit ihren Händen die Felswände, aus denen das Wasser heraustritt.
Oben rechts ist eine Madonna aufgestellt, ungefähr dort, wo die Bernadette die Erscheinungen hatte. Kerzen werden angezündet und die Menschen tragen ihre Anliegen, Sorgen oder Nöte der Gottesmutter im stillen Gebet mit und bitten um Fürsprache bei Gott. Links von der Grotte gibt es einige Hähne, aus denen das Lourdeswasser fließt. Manche Menschen trinken es, andere waschen sich damit das Gesicht. Viele füllen kleine Flaschen damit ab und nehmen es mit nach Hause. An der anderen Seite der Grotte werden viele Kerzen aufgestellt und angezündet. Dahinter befindet sich ein Bädergebäude. Hier können Kranke und Gesunde in Lourdeswasser eintauchen. Eine „Gekrönte Madonna“ steht am Ende der Esplanade gegenüber von den drei Kirchen. Viele Pilger legen hier Blumen nieder.
In der unterirdischen Basilika Pius X. fand am Sonntagmorgen ein internationaler Gottesdienst statt. Viele Pilgergruppen kamen mit ihren Priestern oder Bischöfen und ihren Bannerabordnungen. Die vorderen Plätze waren für die Behinderten und Kranken reserviert. Auf großen Leinwänden konnte man den Gottesdienst und die Handlungen am Altar verfolgen. Aber auch Liedtexte und Gebete waren zum Mitsingen und Beten in verschiedenen Sprachen abgebildet. Die Lesung, das Evangelium und die Fürbitten wurden nacheinander in mehreren Sprachen vorgetragen. Ansonsten wurde der Gottesdienst in lateinischer und englischer Sprache gefeiert.
Am Nachmittag führte Frau Tepasse die Pilgergruppe zu den Stätten an denen die hl. Bernadette und ihre Familie gelebt hat: Bernadette hatte eine bescheidene Kindheit, als Jugendliche trat sie in ein Kloster ein und pflegte kranke Menschen. Sie starb schon im Alter von 35 Jahren. Nachmittags fand die Sakramenten-Prozession mit Krankensalbung statt. Viele Kranke nahmen daran teil. Die Segnung war in der unterirdischen Basilika.
Die Pilgergruppen trafen sich jeden Abend um 21.00 Uhr an der Grotte zur Marien-Lichterprozession. Menschen aus vielen Nationen trugen ihre Banner. Unzählige Besucher, von denen viele eine brennende Kerze in den Händen trugen, folgten der Muttergottesstatue, die von Pilgern getragen wurde. Die Gläubigen sprachen das Rosenkranzgebet in verschiedenen Sprachen. Das „Ave Maria von Lourdes“, dessen Text auf den Papiermanschetten der Lichter abgedruckt war, sang jeder in seiner Muttersprache. Über die Lautsprecheranlage wurden die Gebete und Lieder übertragen. Der Weg führte um die „gekrönte Madonna“.
Am Ende der Prozession versammelten sich alle auf der Rosenkranz-Esplanade. Auch hier hatten die Behinderten und Kranken in ihren Rollstühlen und Fahrgestellen stets vorne Platz. Nach den Fürbitten, Liedern und dem Segen, wünschten sich alle den Frieden und machten sich auf den Weg zurück zum Hotel.
Am Montagmorgen feierten die Emmaus-Pilger eine Eucharistiefeier in der unterirdischen Josephskapelle. Anschließend gingen die älteren Pilger den ebenen Kreuzweg, die anderen beteten den
Kreuzweg am Kalvarienberg, der an den Aufstieg Jesu auf den Berg Golgatha erinnern soll. Etwa zwei Meter große Figuren aus Gusseisen stellen hier die verschiedenen Passionsszenen dar.
Am Dienstagmorgen feierten mehrere deutschsprachige Priester in der Grotte den Gottesdienst. Pfarrer Jürgens sang das Halleluja und verkündete das Evangelium. Ein Ausflug mit dem Bus in die Pyrenäen stand nachmittags auf dem Programm, der Besuch einer ehemaligen Benediktinerabteikirche von St. Savin und der Ort Gavarnie. Ein Blick aus etwa 1000 m Höhe zeigte gewaltige Berge, die teilweise noch mit Schnee bedeckt waren. Am letzten Tag wurde eine Eucharistiefeier mit Pfarrer Jürgens in der oberen Basilika gefeiert.
Nach dem Mittagessen kehrten alle Pilger mit vielen Eindrücken zurück in die Heimat.
Lourdes hat neben dem „Heiligen Bezirk“ viele große Hotelanlagen, Cafés und Souvenirläden. Als Andenken werden nicht nur Rosenkränze und Kerzen verkauft, sondern auch einige Gegenstände, auf denen die Gottesmutter mit Bernadette abgebildet ist, die aber mit dem Glauben nichts tun haben. Beeindruckend ist, dass sich so viele Pilger aus verschiedenen Nationen auf den Weg nach Lourdes machen, der Gottesmutter ihre Anliegen vortragen und um ihre Fürsprache bei Gott bitten. Unzählige behinderte und kranke Menschen, die oft in Begleitung eines Betreuers sind, nehmen mühsame Wege auf sich, um dort Kerzen anzuzünden, um im stillen Gebet Trost und Hoffnung zu finden.
Maria Heming






